Nachhaltigkeit & seine Bedeutung: Entwicklung, Konzept und Zukunft

Früher waren es die Studentenbewegungen, die mit Sturm und Drang die alte Ordnung zum Wanken brachte. Heute gehen junge, aber auch ältere Leute auf die Straße, um auf den Klimawandel, das Artensterben und die Ungleichverteilung von Gütern und Nahrungsmitteln aufmerksam zu machen. Dabei gibt es viele verschiedene Diskussionen innerhalb der Gesellschaft. Ein Punkt sticht dabei ganz besonders hervor: die Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit und ein Bewusstsein für die Umwelt wird auch für Unternehmen wie uns immer wichtiger. Viele Firmen bauen auf das 3-Säulen-Modell und ausgereifte Nachhaltigkeitsstrategien. Doch wie ist das Konzept der Nachhaltigkeit entstanden und was genau können Sie unter dem Begriff verstehen? Dieser Frage widmet sich dieser Artikel und erklärt Ihnen dabei auch das 3-Säulen-Modell.

Wie war das eigentlich damals? Geschichte der Nachhaltigkeit

Seit wann spielt Nachhaltigkeit bei den Menschen eine Rolle? Um die Entwicklung zu verstehen, lohnt sich der Blick zurück in die Vergangenheit: Schon 1713 verwendete der Oberberghauptmann Carl von Carlowitz den Begriff Nachhaltigkeit, um auf die überregional auftretende Holzverknappung aufmerksam zu machen. Damit war er ein absoluter Vorreiter auf diesem Gebiet. Heute ist der Begriff Nachhaltigkeit schon fest in der Wissenschaft verankert und hält die ganze Welt in Atem. Mit der Gründung der Nachhaltigkeitswissenschaft als Teilgebiet der sozial-ökologischen Forschung 2001, sowie der 2015 verabschiedeten „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ auf der UN-Generalversammlung, wurden die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung festgelegt. Ein neues Bewusstsein für die Umwelt wächst. Dazu hat insbesondere die FRIDAYS FOR FUTURE-Bewegung beigetragen.

Sucht man nach einer Definition für den Begriff der Nachhaltigkeit, kann man einen Blick auf den 1987 veröffentlichten Brundtland-Bericht werfen. Dort ist festgelegt, dass das Leben künftiger Generationen in jedwedem Lebensbereich nicht schlechter gestellt sein darf, als das der gegenwärtigen Generation.

Auf Grundlage dieses schönen Leitsatzes im Brundtland-Bericht sind drei Strategien entstanden, die diesen verfolgen:

  • Suffizienz im Konsum

  • Effizienter Umgang mit Ressourcen

  • Energie und die Konsistenz in der Wiederverwertung von Ressourcen

Als Modell dafür wurden in der Vergangenheit die „drei Säulen der Nachhaltigkeit“ herangezogen.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie & Sozialverhalten

Das „3-Säulen-Modell“ wurde 2002 beim Weltgipfel in Südafrika/Johannesburg international diskutiert. Seitdem liefert es einen Maßstab und dient als Leitlinie zu Nachhaltigkeit und deren Einhaltung. Angelehnt an den Weltgipfel wurden in einer Vielzahl von Ländern Verträge verabschiedet, die sich den drei Säulen verschreiben – auch in Deutschland. Das vorrangige Ziel des 3-Säulen-Modells ist es, soziale, ökonomische und ökologische Entwicklungen in Einklang zu bringen und so nachhaltiger zu handeln.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

1. Säule: Ökologie

Die Ökologie ist die Wissenschaft, welche die Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt betrachtet. Damit ist sie ein Teilgebiet der Biologie und beschäftigt sich mit dem Überleben von Lebewesen in ihrem Umfeld. Das lässt sich natürlich auch auf die Menschen übertragen. Diese üben weltweit einen großen Einfluss auf die Umwelt und zur Verfügung stehende Ressourcen aus. 

Das Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit ist die Schonung von Ressourcen und der bewusste Umgang mit zur Verfügung stehenden Reserven, wie beispielsweise Holz. Doch auch der Erhalt der vielfältigen Arten und Organismen steht im Mittelpunkt, genauso wie die Reduzierung von CO2-Emissionen, Schadstoffen sowie von gesundheitsgefährdenden Stoffen.

2. Säule: Soziales

Betrachten wir nun die zweite Säule. Wie bereits bekannt ist, sind wir Menschen Herdentiere. Daher überleben wir am besten in Gruppen, die im Kern das Gleiche verfolgen. Das heißt nicht, dass die Mitglieder unserer Gruppe nicht völlig unterschiedlich sein können: z.B. wenn es um Werthaltungen, die Lebensführung oder ihre Mentalität geht.

Schließlich sind wir alle unterschiedlich sozialisiert. Unser jeweiliges Sozialverhalten ist ein psychologisches, kulturelles sowie teilweise auch angeborenes Phänomen. Hier spielt die Erziehung von Kindesbein an eine ausschlaggebende Rolle. Diese Unterschiede sollen wir auch ausleben können – und trotzdem gut überleben können.

Die 1948 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Menschenrechte bauen genau darauf auf. Bei den Menschenrechten geht es unter anderem um soziale Nachhaltigkeit. Die zentrale Botschaft darin: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Neben einer fairen Bezahlung steht das Gemeinwohl der Gesellschaft im Vordergrund. Dazu gehört die Förderung von Ausbildungen und Fortbildungen. Zwang, Ausbeutung und Kinderarbeit lassen sich nicht mit der sozialen Nachhaltigkeit vereinbaren.

3. Säule: Ökonomie

Die letzte Säule im 3-Säulen-Modell ist die Wirtschaft. Ihr Ziel ist es, die Werte von Produkten, Dienstleistungen und dem Güterverkehr zu untersuchen. Hier wird zwischen der Volkswirtschaftslehre und der Betriebswirtschaftslehre unterschieden. Als aktueller Ist-Zustand wird die derzeitige Ökonomie stets mit der normativen Wirtschaft – also dem, wie es sein sollte – verglichen. Wirtschaftliche Untersuchungen der Gesellschaft sind demzufolge stark von den jeweiligen Bedingung im Umfeld abhängig. Grund dafür ist, dass Statistiken zur Kriminalität, Bildung, Familie, Recht usw. mit einfließen.

Das 3-Säulen-Modell zusammengefasst

Das 3-Säulen-Modell bietet Unternehmen sowie auch dem Staat eine Leitlinie. Dadurch kann mehr Nachhaltigkeit erreicht werden – auch in Unternehmen. Dabei ist es wichtig, die drei Säulen gleichermaßen zu betrachten und weder Ökologie, Soziales noch die Wirtschaft einander vorzuziehen

Kritik an dem 3-Säulen-Modell

„Webe deine Gedanken zu einem bunten Tuch, das dich erfreut und andere wärmt“, lautet ein irischer Segensspruch. Kulturelle Unterschiede sowie die zwischenmenschliche Konkurrenz stehen in einem starken Kontrast zu einem angestrebten Nachhaltigkeitskonzept. Jeder sieht sich gerne selbst vorn und dies lässt sich nicht über Nacht einfach abtrainieren.

Beim Konkurrenzverhalten wird zwischen der intraspezifischen sowie interspezifischen Konkurrenz unterschieden. Während zwischenmenschliche Beziehungen stark vom gesellschaftlichen Erfolg abhängig gemacht werden und z.B. schon früh in die Verteilung von Nahrung mit eingeflossen ist, stehen Tiere und Pflanzen in Konkurrenz zu dem menschlichen Bestreben nach Niederlassung und Besiedlung.

Das 3-Säulen-Modell wird somit zunehmend als ein Leitmotiv für eine Nachhaltigkeitsstrategie betrachtet. Oft ist jedoch zu erkennen, dass Unternehmen viel von grünen Strategien sprechen und nur wenig in die Tat umsetzen. Dennoch sind wir Menschen abhängig von der Natur, weswegen vor allem größere Unternehmen in der Verantwortung stehen, dieser ihren Tribut zu zollen.

Die Abhängigkeit des Menschen von Ressourcen ist gleichzeitig dem Umstand geschuldet, dass es zwischen Ressourcen- und Populationswachstum kein Gleichgewicht gibt. Die Natur reguliert sich selbst und ist, was das betrifft, dem Menschen stark überlegen.

Die Reichweite von Rohstoffen und deren Bedarf decken sich somit nicht mehr. Kritisiert sollte dementsprechend der Umstand werden, dass die drei Säulen nur theoretisch gleichwertig sind, faktisch jedoch die Wirtschaft gerade in der Vergangenheit stark bevorzugt wurde.

Die Maslowsche Bedürfnispyramide

Da sich gewisse Aspekte des 3-Säulen-Modells zur Nachhaltigkeit kaum realisieren lassen, rückt die Kultur in den Mittelpunkt möglicher Denkansätze. Der Psychologe Abraham Maslow entwickelte seinerzeit die Maslowsche Bedürfnispyramide um die Bedürfnisse der Menschen zu erklären. Diese Bedürfnispyramide kann auch im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit verwendet werden. Das Ziel der Maslowschen Bedürfnispyramide besteht darin, die Bedürfnisse jedes Einzelnen in nachhaltige Lösungsmöglichkeiten mit einzubeziehen.

Jeder Mensch verfügt demnach über einen Drang, zunächst seine Grundbedürfnisse zu erfüllen. Darauf aufbauend schließen sich Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse und das Streben nach Selbstverwirklichung pyramidenförmig an.

Wenn wir nicht über unsere Bedürfnisse Bescheid wissen, so können wir diese auch falsch interpretieren. Zum Beispiel ist unsere Lust auf Konsum häufig darauf zurückzuführen, dass wir soziale Lücken auf psychologischer Ebene stillen wollen – oder nach mehr Anerkennung streben. Ein gesundes hinterfragen der privaten und unternehmerischen Bedürfnisse trägt somit zu mehr Nachhaltigkeit bei. So können wir der Umwelt etwas gutes tun, indem wir unsere (unternehmerischen) Bedürfnisse genauer unter die Lupe nehmen.

Mit dem richtigen Kaufverhalten die Umwelt unterstützen

Auch mit Ihren Einkäufen können Sie die Umwelt schützen. Unternehmen, die wie wir Wert auf das Thema Nachhaltigkeit legen, leisten einen großen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität. Beim Einkauf können Sie darauf achten, inwiefern auch andere Unternehmen Wert auf die Umwelt legen. Hier einige Tipps, mit denen Sie prüfen können, ob ein Betrieb nachhaltig handelt:

  • Auf vertrauensvolle Siegel achten; Bio und Fair Trade heißt nicht zwangsläufig, dass die Produkte nachhaltig sind.

  • Unwichtige Produkteigenschaften werden oft positiv hervorgehoben. Beispielsweise ist es in der EU verboten, BPA-haltige Babyfläschen zu produzieren, trotzdem werben viele Unternehmen damit, dass sie darauf verzichten.

  • Bei Unternehmen, die sich selbst als nachhaltig bezeichnen, sollten Sie genau hinsehen und auf Siegel oder Zertifizierungen achten.

  • Behalten Sie Ihre gesunde Skepsis und hinterfragen Sie Produkte und das Unternehmen. Bei Zweifeln können Sie beim Kundenservice des betreffenden Unternehmens nochmals genauer nachfragen und sich so vor klimaschädlichen Käufen schützen.

Nachhaltigkeit ist ein großes Wort, welches in der öffentlichen Debatte heiß diskutiert wird. Dennoch kann jeder Einzelne einen Beitrag für die Umwelt leisten – nicht nur durch nachhaltiges Einkaufen, sondern zum Beispiel durch die richtige Mülltrennung oder einen nachhaltigen Konsum.

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